Kultusminister Rau: "Schulen haben die Gelegenheit, ihre hervorragende pädagogische Arbeit der Öffentlichkeit vorzustellen".
Vom 18. Februar bis 7. März 2008 finden in Baden-Württemberg erstmals Hauptschultage statt. „Die Schulen haben die Gelegenheit, ihre hervorragende pädagogische Arbeit der Öffentlichkeit vorzustellen“, sagte Kultusminister Helmut Rau MdL.
Die Hauptschultage richten sich an Schülerinnen und Schüler, deren Eltern, Lehrkräfte, Partner der Schulen aus Handwerk, Industrie und dem Dienstleistungssektor sowie alle Interessierten. Die Fördermöglichkeiten, die Durchlässigkeit des baden-württembergischen Schulwesens wie auch die Weiterbildungsmöglichkeiten im System der beruflichen Schulen stehen im Mittelpunkt der Aktivitäten vor Ort.
Rund 300 Hauptschulen in Baden-Württemberg beteiligen sich mit Veranstaltungen.
Zum Vergleich:
Der Originalflyer von Südwestfunk und Süddeutschem Rundfunk der Hauptschulwoche von 1991 als PDF zum Download (680 kb).
"Hier hapert es in Deutschland"
- SPD Chef Beck nennt Bildung zentrales Thema für 2008
- Bundespräsident Köhler rügt ungleiche Bildungschancen
(Volltext als PDF)
Ulrich Noll (FDP): .....Seine bei der CDU und in der eigenen
Partei umstrittenen Pläne für längere Grundschulzeiten verteidigt er im
Interview mit der SÜDWEST PRESSE / ROLAND MUSCHEL - 12.12. 2007
Herr Noll, kurz vor Jahreswechsel ein Blick in die Zukunft: Wie
sieht das baden-württembergische Schulsystem 2016 aus, am Ende der
nächsten Legislaturperiode?
ULRICH NOLL: Das Thema längeres gemeinsames Lernen über alle
Schularten hinweg gewinnt an Dynamik. Ich bin sicher, dass wir in der
nächsten Legislaturperiode einen großen Schritt in Richtung
sechsjähriger Grundschule machen werden. Modellversuche wären mir zu
wenig. Die Koalitionsvereinbarung 2011 wird kaum das jetzige
Schulsystem fortschreiben.
Was heißt das für die Zukunft der Hauptschule?
NOLL: Wenn wir längeres gemeinsames Lernen ermöglichen, hat das
auf die weiterführenden Schulen Einfluss. Ich will jetzt nicht über die
Abschaffung von Schularten spekulieren. Aber allein der Rückgang der
Schülerzahlen wird die Anhänger des Status quo zum Umdenken bewegen.
Die CDU steht wegen ihres Festhaltens am dreigliedrigen Schulsystem
in der Kritik. Könnte das ein Wahlkampfthema für die FDP sein?
NOLL: Ich hätte kein Problem, wenn CDU und FDP gemeinsam zu
neuen Erkenntnissen kommen. Ich würde mich aber auch nicht scheuen,
eigene Akzente im Wahlkampf zu setzen.
Dazu müssen Sie aber erst einmal die eigene Partei überzeugen.
NOLL: Der Zulauf zu meiner Position in der FDP wird immer größer. Das wird sich noch verstärken....
Südkurier 6.9. 2007
.....Wenige Tage vor Beginn des neuen Schuljahres revidiert Kultusminister Helmut Rau (CDU) seinen Sparkurs: Lehrerstellen sollen "entsperrt" werden.
Die FDP fordert unterdessen eine Orientierungsstufe.
".....Und noch eine gute Nachricht für seine Kritiker brachte Rau
zum Schuljahresanfang mit: Eine Expertengruppe unter Koordinierung der
Landkreise soll die Kooperationen zwischen Haupt- und Realschulen mittels "intelligenter Lösungen" vorantreiben.
Ziel sei, durch mehr Durchlässigkeit erst am Ende der sechsten Klasse
über den weiteren Bildungsweg zu entscheiden. Möglicherweise, sinnierte
der Kultusminister in versöhnlichem Ton, müsse der Prozess durch eine
Änderung des Schulgesetzes "begleitet werden".
Stuttgarter Zeitung 6.9.2007
".....Kultusminister Rau
erklärte, eine Arbeitsgruppe aus Schulleitern, Schulträgern,
Wissenschaftlern und Mitarbeitern der Schulverwaltung solle die
Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Realschulen weiter entwickeln. Dazu
gehöre gemeinsamer Unterricht der Klassen fünf und sechs, gemeinsame
Ganztagsangebote, gemeinsame Schulleitungen und der Einsatz von
Hauptschullehrern an Realschulen und umgekehrt.
Schulverbünde sollen zügig entstehen und ausgebaut werden."
Badische Zeitung 23.9. 2007 FDP: Größere Durchlässigkeit im Schulsystem
.... Der Landesvorstand habe aber den Beschluss des bildungspolitischen
Landesparteitages vom 18. Juni 2005 bekräftig und sich ausdrücklich zu
der Passage bekannt, in der es heißt, dass der Übergang von der
Grundschule in weiterführende Schulen flexibel möglich sein müsse.
In dem Programm heißt es: „Die FDP/DVP ist offen für regionale
Schulprojekte, die flexiblere Übergangszeitpunkte in weiterführende
Schulen zum Gegenstand haben. Darüber hinaus sind längere
Grundschulzeiten für alle Schüler (...) zuzulassen, wo sie vom
Schulträger, den Lehrern und den Eltern gewollt werden.“ ......
FDP Bildungsfachfrau Birgit Arnold Die von der politischen Opposition geforderte Orientierungsstufe
mit gemeinsamen, "integrierten" Klassen fünf und sechs, lehnt Rau aber
nach wie vor ab. Möglicherweise bekommt der CDU-Politiker in dieser
Frage jedoch Ärger mit dem Koalitionspartner FDP. Denn die liberale
Bildungsfachfrau Birgit Arnold forderte auf einer Reise des
Schulausschusses genau dies: "Es
sollte doch möglich sein, zu einer gemeinsamen Eingangsstufe zu kommen,
wenn dies vor Ort gewünscht wird - nicht als Zwang, sondern als Option."
Davon will Rau formal nichts wissen. Erlaubt sind jedoch gemeinsamer
Unterricht, gemeinsame Ganztagsangebote oder gemeinsame Lehrereinsätze
im Zuge neuer Schulverbünde. 60 gibt es bereits im Land - bei rund 1200
Hauptschulen. Rau nachdenklich: "Da muss manches mentale Hindernis
überwunden werden."
Der Landesfamilienrat BW verweist im Info September 2007 auf sein Papier "Bildung, Betreuung und Erziehung der Kinder":
...Die so genannte "Risikogruppe" ist mit 20 Prozent stabil geblieben.
Noch immer hängt der Schulerfolg nicht vom Leistungspotential des
Kindes, sondern von seiner sozialen Herkunft ab. ...In der
Heterogenität der Schülerschaft liegt eine Bereicherung und eine Chance
für einen besseren Bildungserfolg aller Schülerinnen und Schüler.
Ein humanes und gerechtes Bildungssystem muss ein längeres gemeinsames
Lernen der Kinder von mindestens sechs Jahren ermöglichen. ..... Dem
Landesfamilienrat ist die individuelle Förderung innerhalb einer
heterogenen Zusammensetzung ein Anliegen. Damit soll gemeinsames Lernen
und Aufwachsen sowie soziale Integration der Kinder ermöglicht werden
mit dem Ziel, allen am Ende der Sekundarstufe 1 die Option für die
Oberstufe zu eröffnen.
Offenburger Tagblatt - 23.6.2007 - Interview mit KM Rau
...Noch einmal zur sechsjährigen Grundschule: Trotz Ihrer persönlichen
Skepsis – 92 Prozent sind gegen eine Aufteilung ab Klasse vier. Das
halte ich für ein nachdenkenswertes Ergebnis.
Rau: Sie haben die Grund- und Hauptschulrektoren befragt. Das sind
nicht alle Beteiligten. Da gehören Realschule und Gymnasium auch noch
dazu. Denn diese Schularten würden sich durch eine verlängerte
Grundschule auch verändern. Sie müssten ihr gesamtes schulisches
Konzept umstellen. Ich glaube, dass Sie da keine so große Zustimmung
erhalten. Aber ich signalisiere hier gerne meine Gesprächsbereitschaft:
Ich bin nicht apodiktisch gegen eine sechsjährige Grundschule. Es gibt
gute Gründe für beides. Das gilt es gründlich abzuwägen.
Ministerpräsident Günther Oettinger
"Ich habe kein Problem damit, dass sich die Rektoren zu Wort melden."
S. Pacher - Leiterin Abtl. 7 / Regierungspräsidium Tübingen:
"Ich sehe die Verfasser des Briefes nicht als Rebellen an, sondern als engagierte Schulleiter."
"Mich beeindrucken alle Menschen, die ihre Ideen und Träume realisieren, auch gegen Widerstand." 28.1.2004 in ka-news
SWR am 11.7.2007: Zustimmung für längere Grundschule
Auch bei den CDU-Sozialausschüssen
findet der Vorschlag die Kinder länger in der Grundschule gemeinsam
lernen zu lassen, Unterstützung. "Wir wollen, dass den Kindern mehr
Zeit zur Entwicklung und zum gemeinsamen Lernen gegeben wird", sagte
der Landeschef (B.-W.)der Ausschüsse, Christian Bäumler.
Markus Brunnbauer, Leiter des Geschäftsbereiches Ausbildung der IHK Bodensee-Oberschwaben kann sich laut SZ - 22.5. zur Rettung der Hauptschulstandorte u.a. auch Regionalschulen vorstellen.
...Andrea Krueger, die Vorsitzende der Frauenunion Nordwürttemberg,
meint dagegen, "wir müssen weg vom hierarchischen System der Schularten
und hin zu gleichberechtigten Säulen". Ein vielfältiges Bildungsangebot
werde nicht erreicht, "wenn eine der drei Säulen des dreigliedrigen
Schulsystems auf tönernen Füßen steht, weil ihre Existenz nicht vom
Elternwunsch und von ihrer Attraktivität abhängt, sondern von einer
Grundschulempfehlung, die von vielen Eltern und Kindern als
Zwangszuweisung und als Stigma empfunden wird". Sie sieht die
Hauptschule im Konkurrenzkampf um Schüler unterlegen, auch sei ihr
Profil längst nicht mehr kompatibel mit den gestiegenen beruflichen
Anforderungen.
.... Die Kommunalpolitische Vereinigung der CDU (LKR Tuttlingen)
sieht das inzwischen etwas anders. Da waren sich die anwesenden
Bürgermeister bei der jüngsten Sitzung einig, "dass die Hauptschule in
ihrer jetzigen Form auf Dauer nicht mehr bestehen kann", wie der
Vorsitzende Anton Stier mitteilt. Auch müsse man sich überlegen, die
Schüler nicht schon nach Klasse vier zu trennen. (SZ)
......mit dem Festhalten an der Dreigliedrigkeit des Schulsystems,
stieß Volker Kiesel (SA RV) bei einigen Ausschussmitgliedern (VWA
Kreistag RV) auf wenig Gegenliebe. "Die Hauptschule ist besser als ihr
Ruf", meinte Helmut Grieb, Bürgermeister der Gemeinde Berg
(CDU), und gab zu bedenken, dass ein zweigliedriges System durch die
Verzahnung von Haupt- und Realschule gerade für Gemeinden der Größe
Bergs eine vorstellbare Lösung sei. "Man muss die Vor- und Nachteile
abwiegen und nicht gleich sagen dreigliedrig und damit basta", fügte er
hinzu. (SZ)
Regierungspräsident H. Strampfer RP Tübingen: "....Schulen
sind aber kultureller Mittelpunkt einer Gemeinde. Sie sind ein
wichtiger Standortfaktor. Der Verlust einer Schule führt zu einer
abnehmenden Bedeutung und Attraktivität einer Kommune..... Die Frage
wird sein, ob - bzw. wie - wir uns ein Schulangebot im Ländlichen Raum
leisten können.... Hier sind innovative Konzepte gefragt...."
....Schultes Köberle, selbst in der CDU, wünscht sich
"wenigstens Modellversuche". Man werde aufgefordert, sich Gedanken zu
machen, und wenn man das tue, höre man nur: "Geht nicht". Am Ende laufe
es immer wieder auf die "Lösung" hinaus, Schulen dicht zu machen. Von
oben werde nur verordnet, den "Mangel zu verwalten". Rau und seine
Schulbehörden, ist Köberle überzeugt, sollten sich "nicht so weit
verschließen". Es sei zu wenig Erneuerung möglich im derzeitigen
System..... Auch Josef Köberle aus Argenbühl hielt seinen Parteifreund
immer für einen "sehr aufgeschlossenen" Menschen und ist ratlos. "Ich
weiß auch nicht, woran's liegt." (SZ)
Kippt die Hauptschule? Münster/Düsseldorf/Berlin: Politik paradox - zumindest in punkto Schule in Berlin. Dort hat die CDU-Fraktion
eine 180-Grad-Kehrtwende bei der Hauptschule vollzogen und plädiert nun
für deren Abschaffung. Gestärkt wurde dieser Meinungsumschwung bei
Friedbert Pflüger und Co. von hochkarätigen Bildungsexperten auf einem
Forum in der Hauptstadt, die unisono das Ende dieser Schulform
forderten...... (Westfälische Nachrichten)
....Die Junge Union (B.-W.) fordert mehr Offenheit. Es müsse
auch "vorstellbar sein, im ländlichen Raum über Zusammenlegungen von
Hauptschulen und Realschulen nachzudenken", so Landeschef Steffen
Bilger.(SN 25.5.'07)
OB H. Vogler / Ravensburg nahm dezidiert Bezug auf die
aktuelle Diskussion um den gesellschaftlichen Stellenwert der
Hauptschule: "Wir schätzen sehr wohl unsere Hauptschulen und wissen,
was sie uns wert sind." Er räumte allerdings ein, dass man mit der
herkömmlichen Schulstruktur an Grenzen geraten sei..... ( SZ RV 24.7.07)
"Die Oberbürgermeister Vogler aus Ravensburg und Büchelmeier aus Friedrichshafen
sprechen sich dafür aus, im Bereich Schulen eigene Ideen zu entwickeln
und sich dann mit starker Stimme beim Ministerium dafür einzusetzen."
(SZ RV, 22.11.07)
Eine parteiübergreifende Bürgermeisterinitiative in Nordbaden
schreibt in einem offenen Brief (Juli 2007) an Kultusminister Rau:
„....Die Schüler nach Ende der Grundschule neu einzuteilen ist heute
nicht mehr haltbar.... Die berufsfeldspezifische Begründung der
Dreigliedrigkeit ist nicht länger tragfähig....“ Die Initiative der
Bürgermeister fordert KM Rau auf, in Schulversuchen eine Verlängerung
der gemeinsamen Grundschulzeit sowie die regionale Schule untersuchen
zu lassen.. (Quelle: BNN – KA / Juli 2007)
Bundesbildungsministerin Schavan am 15.8.2007 im Interview
mit der SZ - Leutkirch: ... Außerdem müsse in Zukunft jede Hauptschule
einen Realschulabschluss anbieten können.
Landrat Kurt Widmaier (Lkr Ravensburg) sagt anlässlich
seiner Wiederwahl Anfang August 2007 in der regionalen Presse: ...“dass
wir uns dem Thema Bildung sehr nachhaltig widmen müssen.“, „....das
Kapitel Bildung zentral wichtig sei.“ und „wetterte, dass er gedenke,
in der Bildungspolitik seinen Einfluss zu nutzen...“
Leitsätze des Regionalverbandes Bodensee – Oberschwaben 1989:
"Die bewährten schulischen und außerschulischen Bildungseinrichtungen und Hochschulen sind zu erhalten und weiterzuentwickeln..... Begründung: Wohnortnahe Bildungs- Ausbildungsangebote sind für die Lebensqualität im Ländlichen Raum und als Standortfaktor von großer Bedeutung und wirken Abwanderungstendenzen entgegen."
Unterstützen Sie uns mit Ihrem Namenseintrag in die öffentliche Liste der Befürworter! >>> zum Listeneintrag